Streitgespräche im D/s

Veröffentlicht von Anouk am Sonntag, Mai 10, 2026

Was für Einige unmöglich erscheint ist der Umstand, dass es auch in Beziehungsformen mit Machtgefälle zu Streitgesprächen kommen kann. Gemeint sind hier weder Provokationen noch Beleidigungen, sondern stark verschiedene politische, weltanschauliche und moralische Sichtweisen.

Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass Dom/me von mir verlangt, die eigenen Überzeugungen komplett abzulegen. Das habe ich auch versucht und es ist gescheitert, immer. Warum? Weil es mir Teile meiner Persönlichkeit untersagt, die mich aber ebenso zu dem machen, was und wer ich bin. So etwas lasse ich nicht mehr mit mir machen.

Es gibt sogar Sichtweisen, die ich nicht akzeptieren kann - ja auch als devote / submissive Person. Gemeint sind ALLE Formen, die sich gegen die Menschenwürde richten und den Anspruch auf Toleranz erheben bzw. als “andere Meinung / Meinungsfreiheit” aufgewertet werden sollen.

Es gibt keine sogenannte “Neutralität”, auch wenn sich einige Menschen das gern einreden und es so viel bequemer ist, sich nicht einzumischen. Es gibt eindeutig Sichtweisen, die gefährden Leib und Leben eines Menschen / bestimmter Menschengruppen - wer dies ignoriert, unterstützt indirekt solche Machenschaften (Rechtsradikalismus, Faschismus, Populismus, Desinformation, Halbwahrheiten, bewusste Lügen usw.).

Wokeness?

Definition: Wokeness bezeichnet eine wache Haltung gegen soziale Ungerechtigkeit, Rassismus und Diskriminierung.

Einge verkennen den Umstand beim ständig wiederholenden “früher war Alles lockerer, leichter, nicht so verklemmt”, dass sich die Zeiten geändert haben. “Früher” wurden eher bedenkliche Witze / Sprüche nur im eigenen Freundeskreis (wenig darüber hinaus) getätigt - alle kannten sich und konnten so auch sehr leicht die Intension erkennen (Herumalbern, Ernsthaftigkeit, Partylaune, etc.)

Heutzutage erreichen sogenannte “antiwoke Einstellungen” in Sekunden Millionen völlig fremder Menschen, die sich untereinander überhaupt nicht einschätzen können, zudem auch noch völlig anonym sind und glauben dadurch unangreifbar zu sein. Was genau an solchen Zuständen so toll / besser / erstrebenswert sein soll, erschließt sich mir so gar nicht.

Wokeness und BDSM

Wer mit BDSM absolut nichts anfangen kann, spricht häufig von Ausbeutung, Perversitäten, Reduzierung von Äußerlichkeiten oder der Instrumentalisierung besonders von Frauen (z.B. als Sklavin). Meist enden Diskussionen darum in gegenseitiger totaler Abneigung und massiver Beschimpfungen.

Die Abneigung gegenüber BDSM wird von einigen Fans des BDSMs wiederrum als “Aufstand der Woken” - des “Überkorrekten” - oder das Zurückfallen in Prüderie und Biedermeiertums bezeichnet. Aber passen die Begrifflichkeiten hier wirklich alle zusammen? Ich denke nein.

Menschen die sich nicht ausreichend über BDSM informieren (wollen) und jene, die sich gegen soziale Ungerechtigkeiten oder Rassismuss einsetzen, können durchaus Gemeinsamkeiten aufweisen, aber eben nicht in pauschaler Weise.

Es ist also kein “Aufstand der Woken” sondern allenfalls ein Aufstand der Unwissenden / Engstirnigen oder extrem Gläubigen (Sexualität wird dort häufig nur als Fortpflanzungsakt geduldet).

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