Regeln im D/s

Veröffentlicht von Anouk am Sonntag, Mai 10, 2026

Was gibt es nicht alles für Regelwerke, was echte Dominanz und echte Devotion denn nun wirklich ausmachen. Zu Beginn meiner Karriere als Sub empfand ich Regeln auch über aller Maßen anziehend. Bis ich bemerkt habe, dass sich der Alltag oftmals böse in diesem Kopfkino verbeissen kann. Nunja, damals hatte ich auch noch keine wirkliche Ahnung davon, was sich Dom/me alles so ausdenken kann.

Ich vermute, dass Filme wie “die Geschichte der O” und wie sie alle heißen, bewusst und unbewusst ihren Teil dazu beigetragen haben, dass Sub sich früher oder später mit einem Regelwerk konfrontiert sieht. Echt jetzt? - Auch wenn dieser Text gerade sehr unwillig gegenüber Regeln erscheint, im Grunde bin ich dem gar nicht abgeneigt (noch immer nicht),

ABER

was bringt es Sub bestimmte Positionen zu lernen, wenn sich Dom/me oft selbst kaum merken kann, was wohin gehört? Warum sollte sich andererseits Dom/me überhaupt irgendetwas merken müssen? Wäre es nicht einfacher, wenn Dom/me sich DANN eine Strafe überlegt, wenn eine angebracht bzw. von Dom/me gewünscht ist? Nur wie soll Sub im D/s Kontext dann wissen, dass er/sie etwas falsch gemacht hat? Gängige Verhaltensregeln sind 1. zu unpersönlich und 2. nicht gerade herausfordernd.

Ganz so einfach ist es im praktischen Sinne eben nicht. Es braucht Regeln, jedoch sollten diese Regeln alltagstauglich und für die D/s Dynamik sinnvoll sein - aber genau das scheitert oft komplett an Kopfkinoszenarien und zwar auf beiden Seiten.

die Regelflut

Als Anfang 20ig Jährige war ich der Auffassung, dass eine gute Sub nur eine sein kann, die sich ganz und gar Dom/me unterordnet und dessen Bedürfnisse als die eigenen übernimmt. Dass dieses Konzept scheitern MUSSTE, sollte Allen klar sein - mir irgendwann, (um negative Erfahrungen reicher), später dann auch. Was hatte ich mir nur dabei gedacht, mich komplett selbst zu verleugnen? Heute erscheint mir diese Zeit wie ein vergangener Fiebertraum.

Meine Unerfahrenheit wurde gnadenlos ausgenutzt UND ich sollte auch noch häufig alleine am Scheitern schuld tragen. Es fielen Worte wie “nicht einfühlsam genug” oder “zu wankelmütig / unbeständig”, was jedesmal darin endete den Titel als “gute Sub” komplett zu verlieren. Und das war mir überhaupt nicht egal.

Regeln sind also nicht gleich Regeln
, eben weil auch Menschen verschieden sind. Wer diese nur aus einem Online Ratgeber abschreibt ist mit mir nicht kompatibel, wer hier nur seinen Egoismus bedienen will, ebenso wenig.

Was sind denn aber nun die “richtigen” Regeln im D/s?

Zuerst einmal sollten sie individuell auf die Beteiligten abgestimmt sein.

  • Welche gemeinsamen Ziele gibt es?
  • Wo liegen die Unterschiede?
  • Welche Schwerpunkte sind nicht verhandelbar?
  • Welche Zeitfenster gibt es?
  • Kommt das Verständnis füreinander auf seine Kosten?

PS: Ich lese öfter, dass auf dominanter Seite vermutet wird, Sub unterwirft sich hauptsächlich, um die Verantwortung für den Alltag abgeben zu können. Ist das so? Wenn ich mich auf ein Machtgefälle einlasse, dann wird mein Alltag komplexer, aber keineswegs einfacher.

schleichende Probleme

Regeln im D/s sind meist dynamisch; dass bedeutet, es können im Laufe der Zeit neue dazukommen, aber alte auch wieder rausgenommen werden. Eine böse Falle entsteht, wenn Sub den dominanten Part nicht in ihrer/seiner Kreativität einschränken/ ausbremsen möchte und deshalb im Laufe der Zeit Regeln zustimmt, die entweder in der Vielzahl überfordern oder aber konkret für Sub nicht dauerhaft umsetzbar sind, obwohl er/sie es ernsthaft ebenso für richtig / spannend hält.

Eine solche Situation wieder zu entschärfen ist für alle Beteiligten eine richtig große Herausforderung, da es keine Schuldfrage geben sollte, es aber öfter als man es für möglich hält, innerlich zu schwelen beginnt und irgendwann die Beziehung deutlich spürbar gefährdet ist.

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