Demütigungen und Scham
Veröffentlicht von Anouk am Montag, Januar 12, 2026
Eine Demütigung kann viel sein für den Einen und für den Anderen wieder völlig uninteressant / egal. Ich stelle mir deswegen gerade die Frage: Was sind Demütigungen für mich? Was löst Scham aus?
Grundlegend sind Demütigungen etwas, was den Stolz / die Würde einen Menschen angreift bzw. verletzen will, um sich selbst über diesen zu erheben. Kein Wunder also, dass es im BDSM Bereich gern genutzt wird, um ein Machtgefälle zum Ausdruck zu bringen. (mit gegenseitigem Einverständnis !)
Allerdings hängt es nicht allein in Worten, sondern wertgleich auch in den Taten eines Menschen. Es gibt also unglaublich viel Interpretationsspielraum für beteiligte Personen.
Scham ist die emotionale Reaktion auf (gewisse) Demütigungen, also ein Gefühl von Innen, dass von Außen getriggert wurde.
Somit nochmal speziell für mich gedacht.
Was sind Demütigungen für mich?
Es ist kompliziert. Ich glaube, ich führe eine Art Hass/Liebe mit Demütigungen, da ich Dinge gern richtig und gewissenhaft machen möchte. Demütigungen sagen mir aber komplett gegenteiliges.
Einerseits möchte ich dann direkt flüchten, (wenn ich einen Fehler gemacht habe oder unerwünscht bin) - andererseits kann dieses Gefühl der Scham unglaublich submissiv / devot und damit extrem erregend für mich wirken.
Wann genau was passiert, ist mir oft im ersten Moment selber nicht klar. Es braucht eine gewissen Zeit bis der Geist mit den Hormonen gleichziehen kann.
Z.B. das Spiel mit Eifersucht, Nähe und Distanz kann mich wirklich wahnsinnig machen und manchmal zu allerlei Kurzschlusshandlungen treiben. In dieser Situation brauche ich wohl eine starke Führung, die mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Ansonsten werden die Flausen im Kopf größer…
Mal davon abgesehen, dass eklige Dinge, die auch auf meiner Tabu Liste stehen, nicht nur demütigend sondern total abturnend wirken, habe ich gelernt, dass Schläge ins Gesicht zur richtigen Zeit genau das Gegenteil bewirken können.
Und nun habe ich die Vermutung, dass Petplay auch dazu gehören könnte.
Ich finde es absolut albern zu miauen oder zu grunzen oder mich als Pferd im Heu zu wälzen. Als Ponygirl (kein Showpony) ist es gar richtig gemein, wenn man glaubt, man würde wirklich geritten, oder als Sitzmöbel genutzt, muss aber stattdessen nur im Kreis mit falschen Hufen herumstaksen oder aus einem Napf saufen.
Zusammenfassung:
Ich hasse es zutiefst langweilig/uninteressant zu sein. Es demütigt mich, wenn ich eine Aufgabe nicht begreife, oder falsch verstanden habe. Ich will immer alles richtig machen.
Wie entsteht Scham bei mir?
Es gibt Menschen, die schämen sich für (kaum) etwas und das ruft in mir immer wieder ein Erstaunen hervor. Wie machen sie das nur? Ich hingegen schäme mich für so einiges, angefangen bei der Selbstbefriedigung. Auch hier habe ich keine Ahnung von dem WARUM, allerhöchstens kann ich es grob erfassen.
Gesellschaftliche Regeln erzeugen nicht viel Schamgefühl bei mir, außer vielleicht beim Lügen erwischt zu werden, die anderen Menschen Schaden (was ich sehr verabscheue) zufügen. Typischer Scham entsteht allerdigs wenn meine Bedürfnisse / Fetisch, die nicht der Norm entsprechen, offengelegt werden.
Ich kann mich aber auch sehr deutlich fremdschämen für andere Personen, wenn sie sich in meinen Augen völlig lächerlich / daneben benehmen (z.B. in Talkshows, Veranstaltungen).
Beziehe ich Scham direkt auf einen D/s Kontext, dann bedeutet das für mich, dass ich mich der anderen Person gegenüber verletzbar zeige. Wenn sie meine Tollpatschigkeit belacht oder mich bewusst beleidigt, dann steigt das Gefühl der Hilflosigkeit (eigene fühlbare Wertigkeit nimmt ab) ziemlich schnell an. Sub kann und will aber nicht ohne Dom/me leben. Als Ergebnis kickt dann der Zustand im Optimalfall:
- Dom / me ist alles - total übergeordnet
- Sub ist ein Nichts - völlig wertlos
Allerdings benötige ich dafür eine tiefe Bindung, ansonsten kann die Situation auch komplette Abwehr hervorrufen und statt der Sub übernimmt dann der Stolz.
Reine Spielbeziehungen oder kurzzeitige / einmallige Treffen funktionieren in meinem Fall zusammen mit Scham also überhaupt nicht (gut). Mein Selbstschutz lässt Scham dann schlicht und ergreifend nicht zu. Für mich ist es ein Geschenk an Dom/me.